»Experten treffen echte Profis« - MOVE-Tour geht in die nächste Runde
Busse, die zu früh kommen, der Schlenki-Herzenswunsch und eine gruselige Haltestelle!
Das schon fast berühmte Beteiligungsformat „MOVE-Tour“ hat am 19. November 2025 an zwei weiteren Stationen Halt gemacht: An der Grundschule Heinersdorf und an der Grund- & Oberschule Müllrose. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises über Alltagserfahrungen im öffentlichen Personennahverkehr – offen, kritisch und mit viel Kreativität.
Mit dabei waren diesmal:
- Ferdinand Rochlitz, BOS (Busverkehr Oder-Spree)
- Vivien Buley, Koordinatorin für Kinder- & Jugendbeteiligung im Landkreis Oder-Spree
- Tim Jurrmann, Mobilitätsexperte des Landkreises Oder-Spree
Was ist die MOVE-Tour?
Mit der MOVE-Tour besucht das Team Schulen im gesamten Landkreis, um direkt von denjenigen zu lernen, die sich im Alltag am besten mit Busverkehr auskennen – den Schülerinnen und Schülern. Ziel ist es, sie frühzeitig in die Weiterentwicklung des ÖPNV einzubeziehen und ihre Erlebnisse, Sorgen und Ideen unmittelbar in die Planung aufzunehmen.
Grundschule Heinersdorf: Schlenkis, vergessene Gebisse und gruselige Haltestellen
Gleich zu Beginn meldete sich eine Drittklässlerin mit einem Herzenswunsch:
„Wir wollen auch einen Schlenki – so wie die Tempelberger!“ Sie berichtete von überfüllten Bussen in Ahrensdorf. Mobilitätsexperte Tim Jurrmann sagte zu, anhand des automatischen Fahrgastzählsystems zu prüfen, ob zusätzliche Kapazitäten notwendig sind.
Die anschließende Gesprächsrunde mit 22 Kindern war lebhaft und aufschlussreich.
Thematisiert wurden:
- fehlende Sitzplätze durch Jahrgangskonflikte
- verlorenes Eigentum – inklusive einer Anekdote über ein vergessenes Gebiss
- Busse, die zu früh abfahren
- persönliche Sicherheitsgefühle an Haltestellen
Besonders eindrücklich waren Schilderungen der Kinder über schlecht beleuchtete Haltestellen oder über einen „Lost Place“ in der Nähe eines Bushäuschens, zu dem gruselige Geschichten kursierten. Das MOVE-Team versprach, diese Orte genauer zu überprüfen.
Auch auf die gemeinsame Verantwortung wies Ferdinand Rochlitz hin und warb für die „Busschule“ ein Präventionsformat in der Kinder zusammen mit Polizei und BOS spielerisch lernen, wie man sicher Bus fährt. Mitunter benötigen auch Busfahrerinnen und Busfahrer Unterstützung für einen sicheren und respektvollen Ablauf im Alltag.
Oberschule Müllrose: Kritisch, konstruktiv und mit klaren Erwartungen
In der Sekundarstufe I der Oberschule Müllrose zeigt sich ein differenziertes Bild. Zentrales Thema: Verspätungen und verpasste Anschlüsse. Busse kämen teilweise zu spät, Anschlussfahrten würden nicht erreicht, Vereinsangebote seien dadurch kaum wahrnehmbar. Gleichzeitig sei der Weg zu alternativen „Öffis“ oft umständlich.
Ein Aha-Moment entstand, als Tim Jurrmann erklärte, dass Busfahrerinnen und Busfahrer nicht „privat am Handy“ seien, sondern über ihr Gerät sogenannte Nullminutenübergänge koordinieren – also garantierte Anschlüsse innerhalb eines Verkehrsunternehmens. „Das funktioniert im Landkreis gut – allerdings nur BOS-intern. Zwischen den insgesamt 47 weiteren Verkehrsunternehmen im Landkreis gibt es keine einheitlichen Schnittstellen.“
Die Jugendlichen wünschen sich eine verlässlichere Fahrgastinformation. Hier kündigte das Landkreis-Team Verbesserungen an:
- die VBB-App bietet bereits Echtzeitdaten
- künftig soll es ergänzende Informationen im Bus und eine Hotline geben
Teilweise werden wartende Schülerinnen und Schüler bereits kreativ und generieren ihre eigenen Echtzeitdaten, in dem sie wartende Freunde an anderen Haltestellen kontaktieren ob der Bus schon in Sichtweise liegt.
Mobilität in Müllrose: Rufbus statt langer Wartezeiten
Erkennbar wurde auch: Innerstädtische Verbindungen in Müllrose sind für Jugendliche problematisch. Der Landkreis bestätigte, dass die Stadt bereits Interesse an einem Rufbus bekundet hat – nach dem Vorbild des erfolgreichen DALLI-Systems in der Scharmützelsee-Region.
Zum VBB-Tarif, ergänzt um 1 Euro Komfortzuschlag, könnte so zeitnah eine flexible On-Demand-Lösung starten. Parallel läuft derzeit die komplette Neuplanung des Nahverkehrsplans im Landkreis – „auf einem weißen Blatt Papier“ wie Jurrmann betont. Viele der heute eingebrachten Ideen sollen in diesen Prozess einfließen.
Die MOVE-Tour zeigt eindrucksvoll, wie wichtig echte Begegnungen zwischen Verwaltung, Verkehrsunternehmen und jungen Fahrgästen sind. Hinweise, Erfahrungen und Wünsche werden vom Mobilitätsteam des Landkreises ernst genommen und fließen Schritt für Schritt in die Weiterentwicklung des ÖPNV ein. Wer selbst Anregungen, Hinweise oder Fragen hat, kann sich direkt an Mobilitätsexperte Tim Jurrmann wenden:
oepnv@l-os.de
Der Landkreis Oder-Spree freut sich über jede Rückmeldung – denn ein guter Nahverkehr entsteht gemeinsam.
Datum: 20. November 2025